Das Motto der Schule 3×3: Mehr als richtig oder falsch
Ich unterrichte mit Freude und Begeisterung. Ich liebe es, Wissen aus den unterschiedlichsten Fachgebieten weiterzugeben und die Kinder für das Lernen zu begeistern. Ein klarer und geregelter Unterricht ist mir dabei wichtig. Die Kinder kennen die Routinen und Regeln. So entsteht ein Rahmen, in dem konzentriertes Lernen möglich ist.
Gleichzeitig sind die Kinder für mich mehr als Lernende. Ich interessiere mich für ihre Persönlichkeit und möchte, dass sie viele Facetten von sich kennenlernen und erfahren, was in ihnen steckt. Besonders wichtig ist mir, dass sie ihr schulisches Lernen nicht mit ihrem Wert als Mensch verbinden.
Doch diese Verbindung ist stark.
Wir sind im Schulzimmer. Ein Kind kommt zu mir und zeigt mir eine Rechnung.
Ich frage: «Wie bist du zu diesem Resultat gekommen?»
Das Kind schaut mich ratlos an und zuckt mit den Schultern. Ich spüre: Es fühlt sich angegriffen. Es denkt, etwas falsch gemacht zu haben. Vielleicht fühlt es sich sogar als Person beurteilt.
Besonders in der Mathematik erlebe ich das immer wieder. Hier scheint die Welt eindeutig zu sein: richtig oder falsch. Und weil Mathematik in der Schule einen hohen Stellenwert hat, wird aus «Ich kann diese Aufgabe nicht» schnell «Ich bin nicht gut».
Da begann ich immer öfter zu sagen:
«Schau! Es gibt mehr als richtig oder falsch.»
Dieser Satz öffnete für mich einen neuen Raum. Ich konnte Abstand gewinnen und mich fragen: Worum geht es eigentlich?
Ich schaue wieder auf das Kind. Es lächelt mich an und ich lächle zurück. Gemeinsam betrachten wir den Lösungsweg.
Das Resultat war übrigens richtig.
Doch darum ging es gar nicht. Mich interessierte, wie das Kind zu diesem Resultat gekommen war: Was hatte es verstanden? Wie hatte es gedacht? Was konnte es daraus lernen?
So entstand das Motto der Schule 3×3: «Mehr als richtig oder falsch.»
Ich finde es ein starkes Motto. Es sagt nicht, dass richtig und falsch keine Rolle spielen. Es sagt: Sie sind nicht die ganze Geschichte.
Dazwischen liegt der eigentliche Bildungsraum: Fragen stellen, ausprobieren, Fehler machen, Zusammenhänge entdecken, weiterdenken und lernen.
Richtig und falsch sind Eigenschaften von Antworten. Lernen ist eine Eigenschaft von Menschen.
Deshalb ist für mich eine Unterscheidung entscheidend: Die Beurteilung einer Leistung muss klar von der Beurteilung einer Person getrennt werden.
Ein Kind darf etwas falsch machen, ohne sich selbst als falsch zu erleben. Es darf etwas noch nicht können, ohne daraus zu schliessen, dass es nicht gut genug ist.
Denn Schule ist mehr als das Finden der richtigen Antwort.
Schule ist ein Ort, an dem Kinder lernen, denken, fragen, ausprobieren und über sich hinauswachsen können.
Verantwortung übernehmen für die Gruppe – mit Freude und Stolz
Mir fällt immer wieder auf, mit welcher Ernsthaftigkeit und Sorgfalt die Kinder ihre Aufgaben in der Schule 3×3 erfüllen. Ob als Ordnerchef, Stabchef, Verantwortlicher für die Spiele, als Znünichef oder als Chef für die Nachmittagsarbeiten – jeder Job wird mit grossem Engagement übernommen.
Sobald die Kinder in ihrem Job sind, arbeiten sie ruhig, konzentriert und aufmerksam. Sie führen ihre Aufgaben nicht einfach aus, sondern überlegen mit, entdecken Verbesserungsmöglichkeiten und bringen eigene Ideen ein. Es ist schön zu beobachten, wie sie Verantwortung übernehmen und erleben, dass ihr Beitrag für die ganze Schulgemeinschaft wichtig ist.
Besonders berührend ist, dass viele Kinder von sich aus fragen, ob sie noch etwas für die Schule erledigen dürfen. Sie möchten helfen, mitgestalten und ihren Teil zum gemeinsamen Alltag beitragen. Diese Bereitschaft zeigt, dass Verantwortung nicht nur eine Aufgabe ist, sondern auch Freude bereiten und das Selbstvertrauen stärken kann.
Die Jobs in der Schule 3×3 sind deshalb weit mehr als kleine Arbeiten im Schulalltag. Sie schaffen Gelegenheiten, Selbstständigkeit zu üben, Zuverlässigkeit zu entwickeln und zu erfahren, dass jede und jeder mit den eigenen Fähigkeiten einen wertvollen Beitrag leisten kann. So wächst Schritt für Schritt eine Gemeinschaft, in der alle Verantwortung übernehmen und füreinander da sind.
Langsam neigt sich das Schuljahr seinem Ende zu und in Gedanken bin ich ab und zu im neuen Schuljahr.
Ich wünsche mir, dass die Kinder auch im neuen Schuljahr erfahren dürfen, wie erfüllend es ist, Verantwortung zu übernehmen. Nicht weil sie müssen, sondern weil sie merken, dass sie gebraucht werden, dass man ihnen etwas zutraut und dass ihr Einsatz einen Unterschied macht. Diese Erfahrungen tragen weit über die Schule hinaus – sie stärken das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und in die Gemeinschaft.
Der Leuchtturm in der Schule 3×3

Mir ist klar, wie anspruchsvoll es ist, ein Schulkind zu sein.
Jeden Morgen gibt es einen Wechsel zu vollziehen aus einer Welt, in der viel Ablenkung möglich ist, in die Welt der Schule, wo vor allem Aufmerksamkeit verlangt wird.
Ich erkläre den Kindern, dass dieser tägliche Wechsel zwischen zwei so unterschiedlichen Welten ihnen hilft, flexibel zu werden.
Ich unterstütze die Kinder in ihrem anspruchsvollen Job auf vielfältige Weise.
Da steht zum Beispiel ein Leuchtturm gleich neben der Eingangstüre.
In diesem Zusammenhang ist der Leuchtturm für mich ein Sinnbild dafür, wie wichtig Aufmerksamkeit in der Schule ist.
In der Praxis sieht das so auf:
Ich stellte eine Figur eines Drachen auf den Leuchtturm. Irgendwann, während des Unterrichts sollten die Kinder in das Heft mit dem Namen «Ich bin verpflichtet mich zu erinnern» aufschreiben, was sie auf dem Leuchtturm gesehen hatten. Es waren ganz wenige, die gemerkt hatten, dass eine Figur auf dem Leuchtturm stand. Die Kinder, die nichts gewusst hatten, mussten zwanzigmal «der Drache» schreiben.
An einem anderen Tag klebte ich einen Zettel an den Leuchtturm. «Lernen ist anspruchsvoll». Und siehe da, ich konnte wieder einmal feststellen, dass angemessener Druck das Lernen unterstützt. Alle Kinder hatten auf das geachtet, was auf dem Leuchtturm stand.
Vor Schulbeginn spielt sich nun oft folgendes Szenario ab.
«Oh, ich gehe lieber nochmals schauen, was auf dem Leuchtturm ist». Das ist vor dem offiziellen Schulbeginn noch erlaubt.
«Ich weiss, was auf dem Leuchtturm ist, ich habe zweimal geschaut».
«Ich bin nicht sicher, ob ich einfach schreiben kann, es ist ein Zettel da, oder ob ich schreiben muss, was auf dem Zettel steht».
Ein Kind erklärte mir am ersten Tag nach den Ferien, es habe jeden Tag daran gedacht, am Morgen auf den Leuchtturm zu schauen.
Zauber……..
Donnerstag 21.8.25
Die erste Schulwoche von Luca
Ich habe Freude gehabt, weil ich alle Kinder wiedersehen kann. Ich war sehr neugierig am ersten Schultag. Ich sah, dass ein Kind fehlte und ich dachte, hoffentlich ist es nicht fest krank.
Ich habe mich gefreut, dass ich wieder Keyboard spielen kann.
Ich finde die Schule 3×3 sehr interessant, sie macht Freude. Es gibt jeden Tag etwas Neues zu entdecken. Jeden Tag arbeiten und es wird nie langweilig, es ist immer etwas los.
Ich habe mich die ganzen fünf Wochen auf die Schule 3×3 gefreut.
Auf’s Turnen freue ich mich besonders, weil ich liebe Sport.
In der Küche zu helfen macht mir Spass. Ich tue gerne helfen.
Ich liebe diese Schule, denn man kann hier gut lernen. Ich bin sehr glücklich.
In dieser ersten Schulwoche nach den Sommerferien hatte ich nur Freude und Sorgen hatte ich keine.
Aus der Schule 3×3 geplaudert
Eine Szene, die sich fast täglich an meinem Pult abspielt.
Ein Kind sagt zu mir.
«Ich möchte mit Ihnen etwas machen.
Gerne. Deine Arbeiten hast du ja gut erledigt. Was möchtest du machen?
Ein Spiel.
Was für eins?
Five alive.»
Das Kind bereitet das Spiel vor. Andere Kinder, die ebenfalls alle anstehenden Arbeiten erledigt haben, möchten auch mitspielen.
Sie bringen einen Hocker mit und dann kann es losgehen.
Es wird eng an meinem Pult und gerade das lieben die Kinder.

